Das Problem der Korruption drängt sich zunehmend in den Fokus gesellschaftlicher Aufmerksamkeit. Problemverschärfend wirkt der Umgang mit diesem Phänomen. Dieser fällt nicht nur vielschichtig, sondern auch widersprüchlich und zum Teil analytisch unkontrolliert aus. Die von verschiedenen Fachdisziplinen getragene Korruptionsforschung lässt sich insbesondere durch eine international-vergleichende Makro- und eine akteurszentrierte Mikroperspektive anleiten. Beide Sichtweisen sind in mehrfacher Hinsicht nicht unproblematisch, so dass sich eine dritte Perspektive anbietet, die im Kontext einer öffentlichen Metaphorisierung eine Strategie der Entmoralisierung nahelegt. Diesen Vorschlag interpretieren wir als Erfordernis einer Soziologisierung des Korruptionsdiskurses. Diese sieht erstens vor, eine theoretisch angeleitete Korrektur in den Rationalitätsannahmen öffentlicher und wissenschaftlicher Korruptionsbeobachtung vorzunehmen. Zweitens wird am Beispiel der policy-networks gezeigt, in welcher Weise der aktuelle Umgang mit dem Korruptionsphänomen davon profitiert, gesellschaftliche Veränderungen und die hiermit einhergehenden Effekte institutionalisierter Entscheidungsproduktion mit in Rechnung zu stellen. Ausgehend von diesen beiden Prämissen lässt sich das Problem der Korruption folglich nicht als Abweichung von gesellschaftlichen Normvorgaben (z. B. von den Rationalitätsimperativen der Moderne), sondern ausschließlich von den Vorgaben der Organisation konzipieren.

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